Unsichtbare Wunden, sichtbare Wege: Traumata erkennen und transformieren
Traumatische Erfahrungen hinterlassen oft Spuren, die weit über den eigentlichen Moment hinausreichen. Sie können das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzen, das Vertrauen in sich selbst und andere erschüttern und das Gefühl für Sicherheit im Leben rauben. Traumata können das Denken, Fühlen und Handeln tief beeinflussen.
Traumatische Erfahrungen sind vielfältig – es muss nicht körperliche Gewalt sein oder ein grosser Schicksalsschlag - es können auch Bezugspersonen in der Kindheit gewesen sein, die einfach nicht präsent waren und kindliche Bedürfnisse nicht gesehen oder abgewertet haben. Häufig sind wir uns den Auswirkungen und dem Einfluss, den sie auf unser Leben haben gar nicht richtig bewusst, vor allem wenn es sich um die eher “stillen” Erlebnisse handelt.
Die Epigenetik zeigt zudem, dass traumatische Erfahrungen nicht nur seelische Spuren hinterlassen, sondern auch die Genaktivität beeinflussen können.
«Trauma is an invisible force that shapes our lives. It shapes the way we live, the way we love and the way we make sense of the world. It is the root of our deepest wounds.» Gábor Maté
Nach Gabor Mate ist Trauma nicht das Ereignis selbst, also nicht der Unfall, die Gewalt oder der Verlust. Trauma ist vielmehr das, was im Inneren geschieht, wenn wir durch ein Erlebnis so überwältigt werden, dass wir uns innerlich abspalten oder einen Teil von uns „einfrieren“, um zu überleben. Es geht also darum, ob eine Verarbeitung des Erlebten stattfindet und auf welche Weise.
Die Weitergabe von Traumata an folgende Generationen
Gábor Maté und andere Traumaforscher gehen davon aus, dass Traumata innerhalb von Familien über Generationen hinweg weitergegeben werden. Einerseits durch epigenetische Veränderungen, die die Genregulation beeinflussen können, und andererseits durch erlernte Verhaltens- und Beziehungsmuster.
Das bewusste Aufarbeiten von transgenerationalen Traumata verhindert somit, dass alte Verletzungen unbewusst an nächste Generationen weitergegeben werden. Es trägt damit dazu bei, dass destruktive Familienmuster durchbrochen werden können. Dieses bewusste „Cycle Breaking“ schafft die Chance, eine neue Grundlage zu bauen für sich selbst und für die Menschen, die nachkommen.
Die Chancen der Heilung
Sich mit den eigenen Traumata auseinanderzusetzen bedeutet nicht nur, alte Verletzungen zu heilen, sondern auch neue Räume für Freiheit, Verbindung und Gesundheit zu eröffnen.
Innere Freiheit – alte Muster verlieren an Macht, das eigene Leben wird selbstbestimmter.
Bessere Beziehungen – durch mehr Selbstkenntnis und emotionale Regulation werden Bindungen gesünder und stabiler. Das schliesst die Verbindung mit sich selbst ein.
Stärkung der Resilienz – wer den Schmerz anerkennt und neue Wege des Umgangs findet, entwickelt tiefere Stärke und Widerstandskraft.
Gesundheit - die Epigenetik macht auch Hoffnung: Heilung, bewusste Aufarbeitung und positive Erfahrungen können die Aktivität unserer Gene günstig verändern und so unsere Gesundheit fördern.
Wege der Unterstützung
Wichtig ist: Niemand muss diesen Weg allein gehen. Professionelle Begleitung, aber auch kleine alltägliche Strategien können helfen, das Nervensystem zu beruhigen, Sicherheit zu schaffen und neue Ressourcen zu entdecken.
Die folgenden Impulse sind Anregungen, die dich auf diesem Weg unterstützen können. Sie ersetzen keine Therapie, können aber wertvolle Begleiter auf deinem persönlichen Heilungsweg sein.
5 Impulse für deinen Heilungsweg
1) Psychoedukation bedeutet sich mit dem Thema auseinderzusetzen und sich Wissen anzueignen. Dazu gehört beispielsweise auch das Verständnis, wie Traumata Körper und Geist aber auch unsere Beziehungen beeinflussen. Es gibt tolle Bücher aber auch Podcasts und Filme zum Thema. (Unbezahlte Werbung)
Bücher:
Verena König «Bin ich traumatisiert?»
Verena König: «Trauma und Beziehungen»
Mark Wolynn: «Dieser Schmerz ist nicht meiner»
Dr. Gábor Maté: «Vom Mythos des Normalen»
Peter A. Levine: «Sprache ohne Worte
Podcasts:
Verena König: «Podcast für Kreative Transformation»
Gunda Frey: «Entwicklungssprünge - FreyMut für die Ohren. Traumawissen für die Welt.» (Fokus auf Kinder und Jugendliche)
Filme:
Dr. Gábor Maté: «The Wisdom of Trauma»
Dr. Gabor and Daniel Maté: «Familientrauma durchbrechen»
2) Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit: Wie ging es dir als Kind? Welche Dinge haben gefehlt? Welche Bedürfnisse wurden nicht erfüllt? Welche Bezugspersonen waren, in welcher Präsenz verfügbar? Welche Erlebnisse haben dich geprägt?
Eine Human Design Auswertung kann dir dabei helfen zu verstehen, was du wirklich gebraucht hättest, warum du bestimmte Erfahrungen so tief verinnerlicht hast, welche Muster sich daraus gebildet haben und wie du heute bewusster damit umgehen kannst, um alte Prägungen zu transformieren.
3) Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte über 2 oder 3 Generationen: Welche Schicksalsschläge gab es in der Familie? Wie wurde erzogen? Welche Möglichkeiten hatten die einzelnen Familienmitglieder ihr Leben zu leben? Ein Blick in die Familiengeschichte offenbart meist mögliche Muster, Prägungen und unbewusste Übertragungen, die das eigene Leben und Verhalten beeinflussen können.
4) Körperwahrnehmung üben: Vom Kopf in den Körper und zurück ins Gefühl mit Hilfe von Atemübungen, Somatic Release Übungen etc.
5) Systemische Aufstellungen: Um unbewusste Dynamiken, Beziehungen und Muster sichtbar zu machen (achtet auf traumasensible Fachpersonen)
Wichtig zum Schluss
Such dir professionelle Hilfe, wenn du merkst, dass es zu belastend oder zu überwältigend ist. Es gibt tolle Trauma-Therapeuten und auch andere Fachpersonen, die traumasensibel ausgebildet sind und dich mit ihrer Expertise auf deinem Weg unterstützen können.
Mich und meine Arbeit, kannst du sehr gerne in einem kostenlosen Erstgespräch kennenlernen:
