Wir sind Brückenbauer zwischen zwei Zeitqualitäten.
Wir sind momentan mitten im Übergang in ein neues Zeitalter. Das hat mit einem Wechsel von Inkarnationskreuzen zu tun. Warum das genau so ist, geht für diesen Artikel zu weit, denn es soll alltagsnah bleiben und die meisten von uns spüren diese Veränderung sowieso schon.
Die aktuelle Zeitqualität
Wir sind Teil eines Paradigmenwechsels, den viele von uns schon länger wahrnehmen und der zunehmend auch seine Spuren im Aussen zeigt: Systeme die bis anhin Orientierung und Struktur gegeben haben, fühlen sich nicht mehr richtig und zu eng an oder brechen weg. Rückwärtsgewandte Politik findet viel Zulauf, weil sie Scheinsicherheiten herstellt und durch populistische Aussagen Orientierung gibt, wo schnelle Lösungen eigentlich gar nicht greifen können. Gesellschaftliche Strömungen werden in Bereichen wieder traditioneller und starrer, weil die kollektive Unsicherheit und Orientierungslosigkeit gross ist.
Wir spüren es auf persönlicher Ebene als Erschöpfung, als innere Zerissenheit, als Infragestellen von Lebenskonzepten und bisherigen Ausrichtungen. Wir sehen es zum Beispiel auch in steigenden Burnout Zahlen, denn vieles, was wir jahrelang ausgehalten haben, ja vielleicht nicht einmal hinterfragt haben, lässt sich nicht mehr aushalten.
Auch unsere Kinder zeigen uns, dass etwas nicht mehr passt
Dieser Wandel zeigt sich nicht nur in gesellschaftlichen Debatten oder politischen Spannungen. Er zeigt sich ganz konkret in unseren Kinderzimmern, an Küchentischen, in Schulzimmern. Kinder sind viel feinfühliger und weniger konditioniert und so ist dieser Wechsel insbesondere bei unseren Kindern und jungen Erwachsenen deutlicher spürbar, da sie zunehmend alte Strukturen und damit auch unsere Prägungen herausfordern.
Noch nie war die Zahl der Kinder, die Schule verweigern, so hoch wie heute. In Betrieben sitzt eine Generation, die fragt: “Was kann der Betrieb für mich tun? Ist meine Energie gerade ausreichend um den Job so zu erfüllen?” Nicht umgekehrt.
Parallel dazu steigen neurodivergente Diagnosen. Natürlich schauen wir heute genauer hin, sind achtsamer. Doch vielleicht ist das nur ein Teil der Wahrheit. Manchmal wirkt es, als würden wir versuchen, Kinder (und auch Erwachsene), die nicht mehr in bestehende Strukturen passen, mit einem Label wieder erklärbar zu machen. Weil wir aus dem System heraus noch keine gesunden Antworten haben. Und oft auch keine Bereitschaft, „Norm“ neu zu denken.
Wir sprechen über „Generation Z“ und schreiben ihr Eigenschaften zu, wie “zu sensibel, zu fordernd, zu wenig belastbar.”
Aber was, wenn diese jungen Erwachsenen schlicht nicht mehr bereit sind, Altes weiterzutragen? Was, wenn wir nur deshalb irritiert sind, weil wir noch keine Vorstellung davon haben, wie es anders gehen könnte und unsere bisherigen Werte und die Strukturen, auf der wir bis anhin Leben aufgebaut haben, herausgefordert werden.
Meine Kinder sind noch im Grundschulalter. Und doch staune ich immer wieder, wie sehr sie bei sich bleiben. Wie sie einen Freund wütend sein lassen können, ohne es als Angriff auf sich selbst zu verstehen. Wie selbstverständlich sie sagen: „Das fühlt sich für mich nicht gut an.“ und für sich einstehen. Wie sehr sie ihren Körper spüren und ihre eigene Energie wahrnehmen. Ohne Drama. Ohne Scham. Ganz selbstverständlich, so wie es sein sollte.
Und ja damit triggern sie uns immer wieder. Denn wir sind anders konditioniert. Wir wurden geprägt von Leistungsdenken. Von Durchhalten. Von Anpassung. Unser Wert wurde über Produktivität definiert. „Reiss dich zusammen“ war oft stärker als die Frage „Wie geht es dir damit?“
Schnell rutschen wir dann ebenfalls in diese Reaktionen, wie: «Was denken die eigentlich, wer sie sind?» Oder: «Früher hätte ich mich das nie getraut!»
Jugend war schon immer auch Reibungsfläche. Aber dieser Generationenbruch diesmal ist etwas anderes, weil sich die Zeitqualität grundsätzlich ändert.
Vielleicht sind diese Kinder also nicht „zu viel, zu anders oder zu labil“. Vielleicht zeigen sie uns einfach schon, dass zukünftig andere Masstäbe gelten. Dass es für unsere psychische und physische Gesundheit nicht mehr tragbar ist, sich in Normen pressen zu lassen, um zu genügen. Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung für uns Eltern.
Wir sind geprägt von alten Sicherheitsversprechen
Wir sind gross geworden in einem Zeitalter kollektiver Sicherungssysteme.
Eine Zeit von:
starken Institutionen
klaren Rollenbildern
langfristigen Arbeitsverhältnissen
Renten- und Sozialsystemen
der stillen Übereinkunft: „Man gehört dazu, wenn man funktioniert.“
Sicherheit entstand durch Zugehörigkeit, der man sich untergeordnet hat. Ich gebe meine Energie einem System und das System sorgt im Gegenzug für Stabilität.
Das hatte etwas Beruhigendes, viel Konstanz aber oft auch wenig Freiraum. Wir beugten uns Erwartungen. Als Mutter. Als Vater. Als Arbeitnehmer. Als Ehepartner. Manchmal bis hin zum Selbstverrat.
Die leitenden Fragen waren:
Was wird von mir erwartet?
Wie sicher ist mein Job?
Was denken die anderen?
Es ging selten um:
Fühlt sich das für mich richtig an?
Wieviel Energie habe ich überhaupt dafür?
Bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen?
Unsere Generation hat diese Konzepte bereits angefangen in Frage zu stellen und sich davon zu lösen. Es ist selten jemand noch sein Leben lang in der gleichen Firma.
Die heranwachsenden Generationen zeigen uns aber noch viel deutlicher, welche Qualitäten künftig zählen werden:
Individualität
Authentizität
Selbstermächtigung
Eigenverantwortung
Es geht weniger um „Wie kann ich mich anpassen?» sondern mehr um «Wer bin ich wirklich? Und wo finde ich Räume, so sein zu dürfen, wie ich bin.»
Was bedeutet das konkret für unseren Alltag?
1. Entscheidungen werden persönlicher
Früher: „Was ist vernünftig?“
Heute: „Was fühlt sich für mich stimmig an?“
2. Selbstverantwortung statt Absicherung
Finanzielle Eigenvorsorge wird wichtiger.
Energiepflege wird zentral.
Grenzen setzen wird essenziell.
3. Authentizität wird zur Schlüsselkompetenz
Wer gegen seine Natur lebt, zahlt schneller einen Preis auf psychischer und physischer Ebene.
4. Gemeinschaft wird neu gedacht
Nicht mehr Zwangsgemeinschaft, sondern Resonanzräume.
Kleine, stimmige Netzwerke statt große, starre Systeme.
Sicherheit entsteht nicht mehr primär durch Institutionen und langfristige Verträge. Sondern durch innere Ausrichtung. Durch Selbstkenntnis. Durch Integrität und ein Verankertsein in sich selbst.
Und genau das ist anstrengend. Denn das Finden von Sicherheit, die von innen kommt kann man nicht delegieren. Sie entsteht nur durch die aktive Auseinandersetzung mit sich selbst.
Wenn Menschen heute sagen: „Ich kann nicht mehr“, meinen sie oft nicht nur Überlastung durch ein zu hohes Pensum und zu viele Reize. Sie meinen ein Leben gegen die eigene Natur. Ein Funktionieren ohne Resonanz. Unsere Nervensysteme spielen da nicht mehr mit. Wer dauerhaft gegen die eigene Energie lebt, spürt schneller körperliche oder emotionale Konsequenzen. Anpassung um jeden Preis funktioniert nicht mehr.
Es ist, als würde das alte Fundament noch stehen, aber bereits Risse zeigen. Die Sicherheiten tragen nicht mehr wie früher, aber das Neue ist auch noch nicht klar greifbar und hat noch keinen Rahmen. Das Alte fordert weiterhin Leistung, während das Neue schon nach Authentizität ruft. Wir wurden auf Loyalität gegenüber Strukturen konditioniert. Unsere Kinder fordern aber innere Wahrheit ein. Sie in ihrer Individualität zu begleiten, fordert uns deshalb immer wieder auf verschiedenen Ebenen sehr heraus. Weil wir es selbst nicht gelernt haben.
Wir Eltern sind Brückenbauer in dieser Zeit der Übergänge
Wir stehen zwischen diesen zwei Zeitqualitäten und sind für unsere Kinder die Brückenbauer, oft mit dem Gefühl keine Baupläne für Morgen zu haben. Doch das täuscht: Alle Tools, die dich in den Kontakt mit dir selbst bringen, die dein Nervensystem regulieren, die helfen alte Muster aufzulösen sind das Handwerkszeug, das wir brauchen um uns selbst aber auch unsere Kinder in dieser Zeit der grossen Übergänge gut begleiten zu können. Ein einfacher Leitsatz, der uns Orientierung für unser Handeln gibt, könnte dabei immer lauten: Beziehung vor System.
Wie geht’s dir, wenn du diese Zeilen liest? Spürst du die Veränderungen, vielleicht auch den Leidensdruck, die Unsicherheit, die Trigger und die Ahnung, dass uns ein grösserer Wandel bevorsteht?
Ich glaube, dass noch einige Herausforderungen auf uns zukommen werden, alleine durch das was KI mit unserem Leben anstellen wird. Genau deshalb ist es aber elementar wichtig in uns aufzuräumen, damit wir die Kapazität haben, um mit der Veränderung im Aussen umgehen zu können.
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